Verdienen beispielsweise die Darsteller, die keinen Anspruch auf die gesetzliche Arbeitslosenversicherung haben, genug, um sich in Zeiten von Arbeitslosigkeit selbst abzusichern?

32 Soziale Absicherung von angestellten Darstellern

Die Mehrheit der angestellten Darsteller aus Deutschland hat einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. 45 (14 %) der befragten Darsteller wissen nicht, ob sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I besitzen; es scheint, als ob sie sich nicht ausreichend mit diesem Thema auseinandersetzen würden.

102 der Befragten haben keinen Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung, wozu wahrscheinlich überwiegend Gastierende zählen, die die Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllen können – ein Sonderfall an deutschen Bühnen.
Dieser Gruppe ist es jedoch mit einem Medianeinkommen von 1.333 Euro, welches deutlich unterhalb des Wertes der angestellten Darsteller liegt, kaum möglich für Phasen der Arbeitslosigkeit privat Vorsorge zu treffen. Im Vergleich dazu, die von uns befragten Techniker ohne ALG I-Anspruch: Deren Medianeinkommen beträgt rund 200 Euro mehr, sodass sie besser für Phasen zwischen verschiedenen Gastverträgen selbst vorsorgen können.

Versicherungsstatus und soziale Sicherheit Tanz- und Theaterschaffender

29 Versicherungsstatur und soziale Sicherheit

Knapp 8 % der Befragten aus Deutschland gaben an ausschließlich selbstständig/freiberuflich tätig zu sein, aber dennoch Pflichtversicherte der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen (VddB) zu sein. Als pflichtversichert gelten jedoch laut VddB nur Personen, die an einer Mitgliedbühne abhängig beschäftigt sind, d.h. nicht selbstständig tätig sind. Das gilt für künstlerische Tätigkeiten und überwiegend künstlerische Tätigkeiten. Möglicherweise empfinden sich die Befragten (weil sie i.d.R. für verschiedene Auftraggeber/Arbeitgeber tätig sind) als Selbstständige/Freiberufler, obwohl sie in produktionsbezogenen Gastverträgen kurzzeitig angestellt tätig sind.

30 ALG-I Anspruch Tanz- und Theaterschaffender

11 % der Befragten aus Deutschland wissen nicht, ob sie Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben (ohne Studenten, Volontäre, Praktikanten).

31 Soziale Absicherung von selbstständigen_freiberuflichen Darstellern

66 % der befragten Darsteller aus Deutschland gaben an als Selbstständiger/Freiberufler am Theater tätig zu sein und durch die KSK versichert zu sein. 55 % sind als freiwilliges oder als Pflichtmitglied bei der VddB versichert (siehe Grafik „Versicherungsstatus und soziale Sicherheit Tanz- und Theaterschaffender“). Eine Schnittmenge von 36 % der Befragten ist bei beiden versichert, jedoch 16 % der Befragten sind gar nicht versichert oder gaben an, es nicht zu wissen. Die soziale Sicherung dieser Freischaffenden Tanz- und Theaterschaffenden ist demnach (durch ihre Tätigkeit am Theater) nicht gegeben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Tanz- und Theaterschaffenden zu wenig über die eigenen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungsansprüche weiß.

Mit einem Medianeinkommen von 1.440 Euro sind die derzeitigen Rentenversicherungssysteme dennoch nicht ausreichend. Hier ein Beispiel: Sabrina ist 1985 geboren und hat mit 21 ihr Schauspielstudium (B.A.) absolviert. Mit einem derzeitigen Verdienst von 1.440 Euro und einem Renteneintritt in 2048 wird sie jedoch nur ca. 552 Euro Rente erhalten (Die Werte verstehen sich als Richtwerte von www.brutto-netto-rechner.info). Die von uns befragten selbstständigen/freiberuflichen Darsteller ohne soziale Absicherung (16 %) verdienen lediglich 1.250 Euro monatlich. Die Einzahlungen, die selbstständige/freiberufliche Darsteller leisten können sind demnach zu gering, um eine ausreichende Vorsorge für das Alter zu treffen.

Hat das Qualifikationsniveau einen Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten?

Bei der Auswertung der Umfrageergebnisse 2013 stellte sich die Frage, ob eine sogenannte theaternahe Ausbildung die Verdienstmöglichkeiten verbessert oder ob Quereinsteiger die gleichen Verdienstmöglichkeiten besitzen. Bei einer Stichprobe für Regisseure und Schauspieler ergaben sich keine eindeutigen Erkenntnisse. Vielmehr erhöht der Faktor Berufserfahrung im jeweiligen Beruf die Verdienstmöglichkeiten.

Gibt es regionale Unterschiede der Vergütungsstrukturen?

Im Rahmen dieser Umfrage wurden die ersten drei Ziffern der Postleitzahlen abgefragt, um regionale Unterschiede der Einkommen auszumachen. Auf Grund der deutschen Geschichte sind Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, wobei Westdeutsche mehr verdienen, häufig anzutreffen. Bei unserer Umfrage waren für ausgewählte Stichproben keine markanten Differenzen ersichtlich. Auch ein Nord-Süd-Gefälle, wobei Süddeutsche mehr verdienen, ist für Tanz- und Theaterschaffende der Stichproben nicht zu bestätigen.

Ergebnisse der Vergütungsumfrage 2013 von Theapolis

Die Theapolis-Vergütungsumfrage Tanz- und Theaterschaffender 2013 hat 1.817 Theaterleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihrer Einkommenssituation befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen die schwierige wirtschaftliche Lage der Tanz- und Theaterschaffenden, die Unzufriedenheit damit und die Ungleichheiten innerhalb derselben Berufsgruppe.

In letzter Zeit ist die schlechte soziale Situation von Schauspielern durch die Medien zum öffentlichen Thema geworden. Nicht bekannt ist, dass davon der gesamte Bereich der Darstellenden Künste betroffen ist. Das zeigen jetzt die Ergebnisse der Theapolis-Vergütungsumfrage 2013. Noch nährt sich die Kunst vom Idealismus der Theaterschaffenden, denn die Verdienstmöglichkeiten sind allgemein sehr niedrig. Beispielsweise liegt der Median* der Schauspieler-Gagen bei 1.800 Euro brutto im Monat. Und ein Viertel der 432 befragten Schauspieler sind dauerhaft armutsgefährdet**. Doch es geht noch weniger: mit 889 Euro brutto muss ein Viertel der selbstständigen Regisseure im Monat auskommen.

Unsichere Angestellten-Verhältnisse
Nur 11 Prozent der angestellten Theaterschaffenden haben einen unbefristeten Vertrag – alle anderen haben zeitlich befristete Angestelltenverträge, die in der Regel ein bis zwei Jahre dauern. Zudem arbeiten 16 Prozent der Befragten regelmäßig über 50 Std. pro Woche in ihrem Beruf und trotzdem können davon 15 Prozent nicht von ihrer Theatertätigkeit leben.

Ungleichheiten
Sehr angespannt ist die finanzielle Lebenssituation der selbstständigen Theaterschaffenden. Die einzelnen Auswertungen zeigen, dass deren Einkommen im Vergleich zu den Angestellten deutlich geringer ist. Zudem zeigen sich große Einkommens-Unterschiede innerhalb derselben Berufsgruppe. Auch zwischen Mann und Frau ist der Verdienst-Unterschied größer, wie beispielsweise bei den Theaterregisseurinnen, die nur rund 77 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen verdienen.

Kleine Wünsche
84 Prozent aller Befragten waren zum Zeitpunkt der Umfrage mit ihrer Vergütung unzufrieden. Diese Gruppe wurde in der Umfrage nach ihrem “Wunschgehalt” gefragt. Die “Wünsche” deckten sich meistens mit der Vergütungshöhe der “zufriedenen” Kollegen in ihrer Berufsgruppe. Den Theaterschaffenden geht es also nicht um die Vision der Bereicherung, sondern um die Möglichkeit, von ihrem Beruf auskömmlich leben zu können.

Zusammenfassend stellt sich für Sören Fenner, Geschäftsführer von Theapolis, vor allem eine Frage: “Unsere befragten Theaterleute verdienen wenig, haben unsichere
Beschäftigungsverhältnisse und Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Gleichzeitig
werden auf dieser Basis Inszenierungen produziert, die ethische Grundwerte wie Gleichheit,
Gerechtigkeit und Verantwortung an ihr Publikum vermitteln. Wie passt das zusammen?”

*Der Median beschreibt den Mittelwert, der robust gegenüber sogenannten Ausreißern ist. D.h. die Hälfte der Einkommen liegen unter, die andere Hälfte liegen über dem angegebenen Wert.
** Das untere Quartil der von uns befragten Schauspieler verdient monatlich unter 1.200 Euro brutto, das sind ungefähr 920 Euro netto. Die Grenze zur Armutsgefährdung lag 2011 laut Statistischem Bundesamt bei 980 Euro netto im Monat.

Beruflicher Status

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Die Mehrheit (47 %) der von uns befragten Tanz- und Theaterschaffenden ist angestellt beschäftigt, jedoch nur 11 % ist unbefristet tätig.

Weitere Studien:

Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin argumentiert jedoch, dass sich die Zahl der kurzfristigen Verträge und der eher freien Beschäftigung seit den 90ern mehr als verdoppelt hat.
Quelle: Bolwin 2009: 37

Der Deutsche Kulturrat e.V. bestätigt diese Entwicklung, da in der Spielzeit 2004/05 bis 20010/11 ein Anstieg der nicht ständig beschäftigten Mitarbeiter um 31 % zu verzeichnen ist.
Quelle: Bolwin 2013: 131

Arbeitsstunden und Mehrarbeit

5-Arbeitsstunden pro Woche 27

16 % der Tanz- und Theaterschaffenden arbeitet 50 und mehr Stunden pro Woche am Theater. Trotzdem  können 15 % von ihnen damit allein nicht ihr Einkommen bestreiten (59 Befragte verdienen mit ihrer Theatertätigkeit bis zu 80 % am Gesamteinkommen, obwohl sie mehr als 50 Stunden pro Woche arbeiten).

Weitere Informationen:

Darstellende Künstler (insbesondere Schauspieler, Solosänger, Chor und Tänzer) haben keine fest geregelte Arbeitszeit. Lediglich Pausenregelungen oder eine Beschränkung durch Proben- und Aufführungszeiten bilden den Rahmen.
Quelle: Bolwin 2009: 39

5-Mehrarbeit 28

84 % der Tanz- und Theaterschaffenden sind mit ihrer Vergütung unzufrieden (sehr unzufrieden, unzufrieden, eher unzufrieden oder eher zufrieden). 50 % der Unzufriedenen, die bis zu 30 Std./Woche arbeiten, würden mehr arbeiten, wenn ihre Tätigkeit besser vergütet wäre.